Jetzt kocht sie auch noch….

Ich kann nicht kochen. Also: Essen kochen. Etwas, das den Namen ‚Mahlzeit‘ auch wirklich verdient.  Darauf bin ich nicht stolz. Aber ich hatte bisher keinen Spaß daran. Schon gar nicht für mich alleine. Ich hatte immer das Glück, bekocht zu werden. Durch meine Mutter und Großmutter, durch WGs und meinen Ex-Freund. Hin und wieder kam ich natürlich trotzdem nicht drum herum. Natürlich kann ich mir irgendwie Nudeln machen oder Spiegeleier braten, eine Kürbissuppe bekomme ich auch hin. Aber es ist nicht so, dass es toll schmecken würde. Nicht mal mir meistens. Ich würde es ungern jemand anderem vorsetzen. Und wenn ich es doch mal tue, dann schäme ich mich unendlich dafür, bin furchtbar unsicher und spätestens wenn ich dann anfange, alle drei Sekunden zu fragen „Und? Kann man das essen?“ und immer wieder einwerfe „ Oh, da fehlt aber dies und das.“ und mich hundertmal für mein Katastrophengericht entschuldige, ist es vorbei mit einem gemütlichen Beisammensein und  niemand mag mehr wirklich essen.

Dabei finde ich es eigentlich selbst so toll, bekocht zu werden; das ist so zärtlich, fürsorglich, aufmerksam, das ist ein bisschen Liebe. Außerdem bin ich jetzt Single. Wer soll jetzt kochen, wenn nicht ich? Wer soll mir die Zärtlichkeit, die Fürsorge, die Aufmerksamkeit, die Liebe zukommen lassen, wenn nicht ich? Okay, vielleicht nicht rund um die Uhr, nicht mal jeden Tag. Aber einmal in der Woche etwas zu kochen, was mir wirklich, wirklich schmeckt, das wäre immerhin ein Anfang . Und ich stelle es mir so bilderbuchmäßig wunderschön vor, wie ich da stehe in meiner kleinen Wohnküche, eine Freundin an meinem schrammeligen Küchentisch, die beim Schnippeln hilft, während ich nebenbei und mit leichter Hand ein Irgendwas zubereite, während ich hier und da an meiner Astraknolle nippe. Und wenn ich fertig bin und wir endlich essen können, dann will ich, dass ich das genieße und mein Gast auch. Und niemand macht ein Getue darum, außer vielleicht ein „Mhhh, schmeckt.“ Oder „Lecker.“ Und dann kann man sich auch wieder über was anderes unterhalten, über Wichtigeres. Nicht über irgendein Salz, dass von Seekühen handgeschöpft auf dem Grund eines bisher noch unentdeckten Meeres in einem Tresor mit einem siebzehnstelligen Geheimcode unter Verschluss gehalten wird. Nicht über Käse, den es nur in diesem einen kleinen chilenischen Dorf in den Anden gibt, und der nur mit der Hand gebrochen werden darf und keinesfalls mit einem Messer angeschnitten, da er dann ein Aroma entfaltet, dass alle Buchfinken in einem Radius von 100 km in einen hundertjährigen Schlaf befördert. Food Porn überfordert mich. Im schlimmsten Fall finde ich ihn pervers. Immer noch toller, aufwändiger, ungewöhnlicher, noch mehr Gedöns, die 127. Käsereibe. Herrje. Es sind Lebensmittel. Nahrung. Nicht mehr, nicht weniger.

Nicht falsch verstehen: Ich esse gerne, auch gerne mal was Ausgefallenes. Und ich genieße es und freue mich daran. Und die Photos sind alle wahnsinnig hybsch und sehr appetitlich. Aber ich habe eben auch Freude an einer guten Scheibe Brot,  mit Butter, Salz und Schnittlauch. Oder halt mit Leberwurst.  Die macht mich auch glücklich. Meistens bin ich schon überfordert, wenn ich einen umfangreich sortierten Supermarkt betrete, spätestens an der Fleisch- und Wursttheke. Viel zu viele Sorten Schinken und ich weiß nicht mal, welche Sorte Fleisch man für gute Fleischklöpse braucht. Und Rezepte von Rindsrouladen bringen mich ins Schwitzen.

Und ich bin mir sicher: Es ist noch nicht zu spät. Und: Ich bin nicht allein. Und deshalb werde ich über meine Expeditionen ins Reich der soliden Kulinarik schreiben.  Ich werde versuchen, einmal in der Woche irgendwas zu kochen oder zu backen, was ich noch nie gemacht habe. Und ich werde berichten, ob es schmeckt, was ich falsch gemacht habe, was ich anders gemacht habe und was ich beim nächsten Mal verbessern würde. Ich setze mich mit Produkten auseinander, mit Gewürzen, mit Küchenutensilien,  mit Kochbüchern (von denen ich tatsächlich nicht eben wenige habe und mir noch weitere wünsche), mit Apps und ich hoffe darauf, dass ihr euch beteiligt, mit tollen Rezepten,  mit Tipps und Ratschlägen, mit Gastbeiträgen von anderen Nicht-Köchen. Und am Allertollsten wäre, wenn andere Kochkatastrophen einfach zum Kochen vorbei kämen. Oder ein alter Küchenhase, der mir endlich einmal zeigt, wie man die Zwiebeln so schnell und gleichmäßig würfelt wie im Fernsehen. So fertig ist das Konzept noch nicht, es muss wohl noch ein bisschen – Achtung: Brüller! – schmorren.

Dafür werde ich ein eigenes Blog einrichten, habe aber noch keinen Namen dafür gefunden. Oder besser gesagt: Ich habe über Twitter mittlerweile so viele tolle Vorschläge bekommen, dass ich mich nicht mehr entscheiden kann. Deshalb dürft ihr das jetzt tun. Und zwar hier:

http://twtpoll.com/tf9v4m

Das ist die erste Vorauswahl. Sollte es keinen eindeutigen Favoriten geben, setze ich eventuell eine zweite Runde an.

Und hier die zweite und letzte Runde (Bitte ignoriert Antwort D. Danke sehr!):

http://twtpoll.com/ysyf69
Ganz herzlichen Dank für eure Beteiligung!

Hamburg, mach‘ doch mal Platz für mich!

Wenn die Liebe aus der gemeinsamen Wohnung auszieht, dann muss man schnell hinterher. Getrennt voneinander. Deshalb suche ich DRINGEND eine neue, klitzekleine Wohnung in Hamburg.

Nach dem ersten Fluchtreflex, nur schnell wegwegweg aus dem Haus, das ein paar Jahre mein Zuhause war, an dem sonst alles stimmt, nur eben die Liebe nicht mehr, weiß ich: Mein ganzes Leben wird sich ändern. Ich werde sehr viel weniger Geld haben, ich werde kaum alles, was mir gehört und seinen Platz fand auf gut 140 Quadratmetern plus Terrasse plus Garten mitnehmen können. Auch nicht die Eichhörnchen. Ich hatte eine schöne Zeit hier, ruhig, die tollsten Nachbarn und Vermieter der Welt, die jetzt Freunde sind und viel Luft zum Atmen. Das alles findet nun sein Ende. Das ist gut so und richtig. Ich brauche nun was ganz anderes. Ich bin jetzt eine Single-Frau. Ich brauche mehr Leben, mehr Alltag um mich, mit Kneipen und Einkaufsmöglichkeiten in Fuß- und Fahrradnähe. Zukünftig werde ich auch alles, was weiter entfernt liegt (Arbeitsstelle zum Beispiel), wieder mit dem HVV erledigen müssen.

Eine bezahlbare Wohnung in zentraler Lage ist nicht leicht zu finden. Ich bin bei der Saga registriert und bekomme die Angebote von immonet und immoscout24 per E-Mail zugeschickt. Aber ich weiß, dass ich Glück brauche und ein bisschen Hilfe. Denn auch wenn ich auf Twitter für meine Wünsche ausgelacht werde: Ich weiß, dass es sie gibt, die bezahlbaren und zentral gelegenen Wohnungen in Hamburg, ich habe selbst schon welche gesehen. Sie stehen nur meist nicht in irgendwelchen Zeitungen und Online-Portalen, sondern werden im Bekanntenkreis weitergereicht. Und da ihr zu meinem erweiterten Bekanntenkreis gehört, bitte ich euch um eure Hilfe. Bitte, wenn ihr jemanden kennt, der jemanden kennt, der gerade umzieht und einen Nachmieter braucht oder benennen darf:

DENKT AN MICH! BITTE!

Was ich suche:

Tja nun. Die sogenannten „üblichen“ Stadtteile. Eimsbüttel, Altona, Ottensen, Pauli, Schanze, Grindel, Neustadt und so, das übliche halt, eher westlich der Alster. Meinetwegen aber auch St. Georg und Hohenfelde. Zum einen, weil mir da hoffentlich weniger die Decke auf den Kopf fällt, als zum Beispiel irgendwo im Grünen, in Rahlstedt oder so, wo ich auf Busse hoffen muss, um wegzukommen. Zum anderen, weil ich weiß, dass ich dort nicht alleine bin. Ich habe Freunde und Bekannte, die ich leicht erreichen kann, sowie viele Möglichkeiten, schnell in den HVV zu hüpfen. Meine Kompromissstadtteile sind Barmbek, Eilbek und Borgfelde.

Ausgeben kann ich ca. 400,- € kalt (etwa 550,- € warm, also mit Heizkosten, eventuell einen Tick mehr,). Jaaa, jetzt wird wieder gelacht. Aber ich weiß, dass es das gibt. Ich habe eine solche Wohnung an der Angel, bis zur Entscheidung dauert es aber noch. Und ich mag mich nicht alleine darauf verlassen.

Alles andere ist erstmal nebensächlich. Natürlich wäre ein Balkon toll und eine Badewanne. Und natürlich wären anderthalb Zimmer oder gar zwei irgendwie besser als nur eines und natürlich machen Holzdielen mehr her als Linoleum. Und eine Einbauküche wäre natürlich furchtbar praktisch. Aber, ehrlich: Das ist gerade nicht so wichtig.

Wichtig ist: So schnell wie möglich, also ab jetzt. Meine Wohnung ist gekündigt und allerallerspätestens zum 1. August brauche ich eine neue Bleibe. Aber so lange möchte ich es eigentlich gar nicht mehr aushalten. Und: Ich möchte keine Zwischenmietungslösung und auch keine WG. Achja, und möbliert sollte sie auch nicht sein. (Über gewisse Dinge, wie Waschmaschine oder Kühlschrank kann man aber reden.)

Falls ihr nun niemanden kennt, der jemanden kennt, dann freue ich mich auch über irgendwelche Insider-Tipps. Sowas wie: Wo lässt sich welcher Hausmeister mit einer Flasche Schnaps bestechen? Oder so. Irgendwas, wo man nicht drauf kommt, wenn man es nicht zufällig schon mal gehört hat. Und schreit es bitte in die Welt, ganz laut. 

Dankeschön!

P.S. Schickt mir bitte keine immonet-Angebote mehr. Die kenne ich alle schon. 

Adventsdingsi: So geht’s weiter

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Ein Adventskalender hat 24 Türchen. Bums. Nicht mehr und nicht weniger. Und ich werde daran auch nichts ändern (können). Da nun aber 60! (Danke nochmal!) Follower gemeldet haben, müssen zwangsläufig 36 leer ausgehen, da ich keine zwei Adventskalender basteln werde und auch nicht zweieinhalb.

Da ich aber Freude daran habe, lose ich 24 Menschen für den Adventsdingsi aus (ehrlich gesagt, habe ich das schon, aber dazu später/ morgen mehr.) und für die, die nicht dabei sind, denke ich mir eben was anderes aus. Eine kleine Weihnachtspost, eine Ansichtskarte aus Berlin, ein Gruß zum Neuen Jahr. Sowas halt. Aber ich kann und möchte nicht versprechen, dass ich das alles im Dezember schaffe, bemühe mich aber, wie stets. Sofern die Welt doch nicht untergeht, ist im Januar ja auch noch Zeit dafür.

Eine Bitte: Alle, die sich gestern gemeldet haben, mögen mir doch bitte ihre Adressen per Mail, per Kommentar (wird NICHT veröffentlicht) oder per Facebook zukommen lassen, falls das noch nicht passiert ist. Bitte schickt sie mir, wenn möglich, nicht per DM. Aus Gründen. Schreibt mir euren Twitternamen dazu, und falls ihr demnächst Geburtstag habt, gerne auch das. Und falls ihr euch nicht von selbst meldet, nerve ich euch. Is klar.
Und nicht vergessen: Vermerkt unbedingt, ob ihr auch Interesse an dem exklusiven Penisvergrößerungsangebot habt.

Meine E-Mail-Adresse: ingapopinga(@)arcor.de

Dankeschön!


Kleiner Adventskalender für Follower

Weihnachten. Lametta. Plätzchen. Zeit, für viele Twitterer, ihre Follower zu beglücken. Und der allerletzte Moment, in diesem Jahr noch Danke zu sagen. Und ich mache mit!

Ab dem 1. Dezember verschicke ich jeden Tag eine kleine Weihnachtspost, bis zum 24. Dezember. Adventskalender halt, kennt ihr ja. Und zwar ganz analog, per Hand. Für euch und eure traurigen Briefkästen.

Wer heute, am ersten Advent, bis 23:59 Uhr, unter Angabe des Twitternamens, hier einen Kommentar hinterlässt, mir eine Mail schreibt oder mich bei Twitter per Reply oder DM mit dem Hashtag #Adventsdingsi kontaktiert, bekommt ab dem 1. Dezember Post.

Sollten sich mehr als 24 Follower melden, schmeiße ich alle Namen in einen Kochtopf und lose aus, jeden Tag. So hätte ich auch gleich meinen eigenen kleinen Adventskalender.

So, aber jetzt ihr. Zack, die Wildsau!

(Es versteht sich von selbst, dass ich eure sämtlichen Adressdaten missbrauchen werde, um euch reichlich Penisvergrößerungsangebote zukommen zu lassen!)

Ohne Twitter (2): Das iPhone

Dies ist meine 40. Nacht ohne Twitter, aber es war meine 33., als Steve Jobs seinen Rücktritt verkündete, erfuhr ich am Morgen darauf im ZDF-Morgenmagazin. Oha. Und dann wechselte plötzlich das Moderatoren-Team und unter anderem erschien: Cherno Jobatey. Und mir ging einfach nicht mehr aus dem Kopf, wie er damals, als ich selbst noch für das Fernsehen arbeitete (sehr im Hintergrund) und ein Informationsjunkie war und das Morgenmagazin beinahe täglich sah, bei der Tassenfrage die Zuschauer penetrant bat, einzuschätzen, ob der Inhalt eines Einspielers wahr sei oder eben – ich zitiere – „beinhart gelogen“. Und zwar jedes verdammte Mal. Beinhart. Anfang der Nullerjahre. Das war so aus der Zeit gefallen.

Ich denke an Werner und an Torfrock. Und an den beinharten Rocker Cherno auf’m Chopper, in Lederanzug, aber mit Turnschuhen. Turnschuhe. Keine Sneaker. Damals sagte man ja noch Turnschuhe. Da man die Tassenfrage aber erst irgendwann nach acht Uhr stellt, ich dann aber schon bei der Arbeit sein müsste, würde ich nun nicht erfahren, ob er immer noch beinhart sagt. Vielleicht sagt man das auch heute wieder. Ich habe ja keine Ahnung. Schulterpolster kann man doch auch wieder kaufen. Und Haremshosen. Und Steve Jobs hat also seinen Rückzug erklärt. Überhaupt bin ich morgens noch ziemlich wirr, auch ohne Cherno Jobatey. Zudem trug ich eine Hose, die keine Taschen hat. Auch nicht am Po. In die Potasche schiebe ich nämlich manchmal mein iPhone, wenn es mir zu gewagt erscheint, es einfach in die Handtasche zu werfen, weil da ja auch Schlüssel, Münzen, Feuerzeuge und seltsame Krümel drin sind. Und wenn ich meine Hände nicht frei habe. Und mit diesen hielt ich an jenem Morgen bereits eine Brille, eine Kaffeemaschine, den Autoschlüssel, diverse Ordner, meinen Kalender und einen College-Block DIN A 5. Und irgendwas mit Äpfeln war auch noch. Zum Teil in Plastiktaschen verstaut, zum Teil lose. Also ließ ich es liegen, das iPhone. Ich vergaß es einfach. Erst auf halber Strecke, nach ca. 10 km fiel es mir wieder ein. Das war mir noch nie passiert. Nicht mit dem iPhone.

Vorher natürlich schon. Aber da hatte ich auch noch kein Smartphone und deshalb auch keine Internet-Flat am Handy. An vielen Tagen habe ich es nicht mal gemerkt, dass ich es vergessen habe. Ich war keine große SMS-Schreiberin und bei der Arbeit war ich ohnehin anders zu erreichen. Irgendwo vergraben in meiner Handtasche lag es meist. Ich war eine der Frauen, die ihre Riesen-Handtaschen hoch zu den Ohren zerren, sobald in der Öffentlichkeit irgendetwas piept, weil es mir einfach zu mühevoll war, das Telefon irgendwo zwischen Kaugummis, Notizbüchern, Wasserflaschen, Fernbedienungen (die stecke ich recht häufig versehentlich ein) und Tampons herauszuwühlen, dass dann ja doch nicht geklingelt hat. Mein iPhone hat einen festen Platz in der Handtasche oder ich trage es irgendwo am Körper, vergraben in der Manteltasche, von meiner Hand umschlossen (Handschuhe habe ich im letzten Winter eigentlich nur beim Rodeln getragen.) Und ich bin eine der Frauen, die immer glaubt, irgendetwas vergessen oder irgendwo liegengelassen zu haben und das, nach manchmal minutenlanger Suche, dann doch in der Handtasche findet. Manchmal. Denn ich bin eben auch die Frau, die Geld im Bankautomaten stecken, ihr Kinderkleingeldportemonnaie, gefüllt mit einem dicken Schein auf dem Tresen in der Eisdiele liegen oder einen Ordner mit den persönlichen Daten fremder Menschen auf einem Stapel Bild-Zeitungen im Kiosk stehen lässt. Es ist zwar nicht immer angenehm, aber was wäre so ein Tag ohne mindestens eine völlig unnütze Panikattacke, gefolgt von einer ebenso unnützen und kopflosen Suchaktion nach einem total wichtigen Gegenstand, den man garantiert an einem denkbar ungeeigneten Ort vergessen hat.

Nur mit diesem iPhone ist es anders. Bisher. Das suche ich wirklich selten, ich habe es immer griffbereit in meiner Nähe, weil ja auch immer irgendwas aufblinkt. Und wenn ich es doch mal suche, was wirklich sehr, sehr, sehr selten vorkommt, gemessen an dem, was ich sonst gewohnt bin, dann immer nur zu Hause. Meistens ist es dann einfach nur zwischen die Sofapolster gerutscht oder liegtgauf dem Badewannenrand und da bleibe ich vergleichsweise ruhig. Ich habe dieses Dingsi seit November und ich habe es sicher weniger als fünfmal wirklich vergessen. Und bei diesen weniger als fünf Malen war ich nie mehr als 500 Meter vom Haus entfernt, so dass ich schnell umkehren konnte, um es doch noch mitzunehmen. (Nicht mitgezählt: All die Male, da ich die iPhone-Absenz schon vor Anlassen des Motors bemerkt habe.) Und heute das! Ich bedauerte kurz, dass ich es nicht dabei hatte, überlegte, ob ich irgendwelche dringenden Telefonate erwartete und dachte an Twitter. Und fuhr einfach weiter.

Eigentlich brauche ich es gar nicht, jetzt, da ich gerade nicht twittere. Okay, den Wecker vielleicht. Und ich liebe instagram. Aber ich instagrame gerade auch selten. Was zum Teil an der Twitterabstinenz, aber doch viel mehr daran liegt, dass instagram eine gefühlte Stunde braucht, um mir nur ein paar wenige Bilder meiner Timeline anzuzeigen und meistens mehr als einen Versuch, um eines meiner Photos hochzuladen. Nicht lustig.

Ich halte das iPhone auch nachts, wenn ich nicht schlafen kann, nicht mehr in den Händen und starre drauf und tippe noch mal schnell eine DM. Nachts, wenn ich nicht schlafen kann, lese ich jetzt meistens in einem Buch. Wie früher. Und überhaupt schlafe ich ja in letzter Zeit ab und zu doch mal nachts, wenn ich eigentlich gar nicht schlafen kann. Und dann träume ich von Cherno Jobatey, Steve Jobs und manchmal auch von Tony Marshall. Beinhart. Aber nicht gelogen.

Ohne Twitter (1): Lesen

38 Nächte ohne Twitter. Und ein bisschen hat sich mein Leben verändert. Da besteht sicher kein unmittelbarer Zusammenhang. Nur der, dass ich zu einem Zeitpunkt meinen Account gelöscht habe, als es am Stressigsten wurde und ich Twitter einfach zuviel meiner Aufmerksamkeit schenkte.

Ich lese wieder.
In meinem Freundeskreis bin ich die mit den Büchern. Die mit den vielen Büchern. Die, der man so ungern beim Umzug hilft, weil man weiß, das über die Hälfte aller Kisten (und das waren schon immer viele) mit Büchern und sonstigen Printerzeugnissen gefüllt waren. Die man fragt, was man gerade liest und ob es sich lohnt, das auch zu lesen. Die man fragt, welches Buch man wem schenken könnte. Die die Nächte durchliest, weil sie sich nicht trennen konnte, schon als Kind nicht. Das hat kontinuierlich abgenommen. Irgendwann las ich nur noch zum Einschlafen und zwar so lange, bis mir die Augen zufielen. Am Ende war das nicht mehr viel, fünf Seiten, vielleicht zehn. Ich habe keine Ahnung mehr, was man so liest, was man wem schenken könnte. Und ich kaufe auch kaum noch Bücher. Was aber auch sehr daran liegt, dass ich in letzter Zeit zudem auch noch ziemlich pleite und ein Streifzug durch eine Buchhandlung, in dem Wissen, sich jetzt nichts kaufen zu können, eine Qual war. Vorbei die Zeiten, in denen ich mal eben ein-, zweihundert Euro investiert habe, um bepackt nach Hause zu gehen, dort die Bücher durchblätterte, die verschweißten von der Folie befreite, den Geruch genoss und einen Stapel in der Reihenfolge sortierte, in der ich sie lesen wollte. Bis ans Ende kam ich meist gar nicht, denn vorher kaufte ich hier und da neue oder gebrauchte oder bekam welche geschenkt, die ebenfalls einen Platz im Stapel beanspruchten. Irgendwann türmte sich um das Bett herum ein Konglomerat aus ungelesen und gelesenen Büchern, Magazinen und Zeitungen (ja, ich las alles!), dass das Ins-Bett-gehen, aber vor allem das unfallfreie Aufstehen unmöglich machte, so dass ich aufräumte und mir nur noch ein kleines Türmchen gönnte. Der Rest, egal ob gelesen oder nicht, wanderte ins Regal, so ungefähr an die Stelle, wo es hingehören könnte. Und um das Bett durften sich neue Stapel bilden.

Bis vor etwa einem Jahr. Ich schlief nicht besonders gut, vor allem schlief ich nicht ein. Das ist nichts Neues. Solche Phasen hatte ich schon immer. Gleichzeitig konnte ich mich nicht mehr so gut konzentrieren. Auch nicht auf ein Buch. Ich begann also zig verschiedene Bücher, um sie alle nach ein paar Seiten gelangweilt wegzulegen. Mit meinem Netbook, später auch dem iPhone, Twitter und vielen anderen Dingen lenkte ich mich ab. Auch das soweit nichts Neues, nur die Medien variieren. Wenn ich mal nicht den richtigen Start in eines meiner Bücher fand, las ich einfach für ein, zwei Wochen irgendwelche Magazine, löste Sudokus, irgendwelche anderen Logikrätsel oder Ecksteins oder holte den Nintendo DS raus (oder früher halt den Gameboy). Daran ist bei einem desaströsen Konzentrationsvermögen aber nicht zu denken.

Meinen letzten längeren Leseversuch unternahm ich anlässlich des Todes Harry Mulischs. Ich kramte „Die Entdeckung des Himmels“, das ich sehr liebe, wieder hervor und las. Und es funktionierte. Jedenfalls ziemlich lange. Ich hatte zwei Drittel des Buches geschafft, als es wieder losging. Ich las eine halbe Seite und stellte fest, das nichts ankommt in meinem Kopf. Setzte wieder an, wieder und wieder bis ich es aufgab. Ich probierte es noch mit Jonathan Safran Foers „Alles ist erleuchtet“, das ich schon lange lesen wollte. Also schaute ich mir den Film an, den ich eigentlich erst sehen wollte, wenn ich das Buch gelesen habe (Eine meiner wenigen eisernen Regeln: Erst Buch, dann Film.) In diesem Punkt kann ich auch mal dogmatisch.) Den Film mochte ich, also begann ich mit dem Roman. Und kam nicht mal bis Seite 30. Und das war’s dann.

Bis jetzt. Bis vor gut fünf Wochen. Es war mir zu langweilig geworden, andauernd in das Netbook zu starren, wenn ich nebenbei nicht ab und zu in Twitter reinschauen konnte. (Natürlich gucke ich mir Twitter hin und wieder an. Aber es ist einfach nicht dasselbe, wenn man keine Timeline mehr hat.) Und bei Facebook tut sich nachts nicht so viel. Da möchte man mit Statusupdates im Viertelstundentakt nicht auffallen. Lange schon wollte ich Armistead Maupins ‚Michael Tolliver lebt‘ lesen, das den Faden der älteren ‚Stadtgeschichten‘ wieder aufnimmt. Ich kaufte das Buch nicht gleich, sondern nahm mir zuerst die alten sechs Bände vor. Um mich in Stimmung zu bringen. Um mich wieder vertraut zu machen mit all den Protagonisten, die einem einst so ans Herz gewachsen sind. Und um zu schauen, ob ich es vielleicht wieder packte, das Lesen. Wenn nicht die ‚Stadtgeschichten‘, was dann? Bei dem Sog, den sie ausüben, lesen die sich ruckzuck weg. Und erst, wenn ich wissen würde, ob es wieder funktioniert, dann würde ich es mir kaufen, das neue Buch. Also las ich. Und es flutschte. Ich las überall. Im Bett, auf dem Sofa, beim Frühstück. Und der Fernseher blieb aus. Als ich beim vierten Band war, begann ich in jede Buchhandlung zu rennen, die am Wegesrand lag, um das neue Buch zu finden, und musste es dann aber doch bestellen. Ich las so schnell ich konnte die letzten Bände (Ich musste ein wenig aufholen, ich hatte zwischendurch eine Woche Besuch, der meine ganze Aufmerksamkeit forderte und nur zuließ, dass ich nachts las, was wiederum dazu führte, dass man am Frühstückstisch immer auf mich warten musste.), um dann den neuen Band an einem halben Tag (mit Arbeitsunterbrechungen) durchzulesen.

Ich lese also wieder. Und ich darf in keine Buchhandlung gehen, weil ich wieder alles auf einmal kaufen möchte. Weil ich soviel aufzuholen habe. Weil es mich von anderem Quatsch ablenkt und mir ein bisschen Ruhe schenkt. Weil es mich ein bisschen zufriedener macht.

Falls ihr meine Leserei verfolgen wollt: Bei Amazon habe ich eine Liste angelegt. Das letzte Buch lese ich gerade.