Wie ich einmal bei Twitter ein plattdeutsches Volkslied für meine Nachttimeline sang

Eigentlich fängt alles mit der Nachttimeline an. Die ist etwas Besonderes für mich. Mit ihrer Stammbesetzung, den immer Schlaflosen. Und ihren Gästen, die hier und da mal reinschneien, weil sie gerade von einer Party kommen. Weil das Kind fiebert. Weil sie frieren in der Nacht.
(Aber dazu vielleicht an anderer Stelle mehr.)

Irgendwann in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch schickt die wunderbare @kleinkram den ebenso wunderbaren Tweet:

Die Nacht kann nicht einschlafen. Ich soll ihr vorsingen.

Ich fave. Ich retweete. Und ich schreibe selbst:
Ingapopinga: singt ‚Dat du min Leevsten büst‘ für die Nacht.

Zeitgleich ’singt‘ auch @Harveypuca „Au claire de la lune“. Und ich weiß nicht, wieviele Oden an die Nacht noch auf Twitter kundgetan werden. In mein Stück plattdeutsches Kulturgut fallen sogleich @VictoriaHamburg und @blogprinzessin ein. Und wir zitieren uns zumindest die erste Strophe zusammen, um uns dann Herzen zuzuwerfen, in bester <3-Manier.

Letztendlich weiß ich nicht mehr genau, was mich eigentlich geritten hat, das Lied tatsächlich zu singen. Aufgeregt, atemlos, mit Herzbuppern, verrauscht. Und eigentlich zu leise. Wie man eben nachts singt, wenn man alleine ist mit der Stille und das Einzige, was man ab uns zu hört, das Pfotengetrappel der Nachbarskatzen auf dem Dielenboden über einem ist. Und weil mir einfach kein vernünftiger Grund dafür einfällt, schiebe ich es auf die Nachttimeline, die in ihrer Übersichtlichkeit eine Vertrautheit entstehen lässt, wie es am Tage kaum möglich ist.

 Ganz spät ist es schon, als ich es poste. In meiner Timeline sind wir nicht viele. Darüber bin ich froh, denn auf irgendeine, psychologisch vermutlich ziemlich verwickelte Art, schäme ich mich ganz furchtbar für meine Singerei. Für mich selbst. Tja, sowas gibt’s auch noch. Was, wenn mich jemand verspottet? Oder was, wenn überhaupt niemand reagiert? Dieses ‚aus Höflichkeit schweigen‘? Aber eine warme Welle rollt mir entgegen und das Tollste: @harveypuca verspricht, ebenfalls ein Gute-Nacht-Lied für uns zu singen, gleich am nächsten Abend. Plötzlich bin ich gar nicht mehr alleine und ein bisschen glücklich  Vielleicht ist das, was mir da gerade passiert, das, was sie immer ‚Öpve‘ nennen.

Meinen Link habe ich am Morgen gelöscht. Dem Tageslicht konnte dieses wackelige Stück noch viel weniger standhalten. Es gehörte in die Nacht. Und weil ich Angst hatte, dass es sich jemand anhört und sich lustig macht. Nicht nur still für sich, sondern eben auf Twitter.

Doch mit dem Mittwochabend kommt auch @Harveypuca zurück und brachte uns ‚Au claire de la lune‘. Viel mutiger, viel klarer und rundherum wundervoll. Und ich wünsche mir so sehr, dass das jetzt jeden Abend jemand für uns macht. Ein Gute-Nacht-Lied singen. Ein Gute-Nacht-Lied ist ein Wunsch und ein Schutz. Man singt es für die Menschen, die man liebt, denen man wünscht, sie mögen schnell und tief schlafen, gut träumen und einen wunderbaren Tag haben. Es ist ein Ritual, das (so hoffe ich fest) viele von uns gut kennen. Dieses Gefühl von Geborgenheit und Sicherheit. Und so freut es mich, dass an diesem Mittwochabend die ersten Zusagen eintrudeln von Twitterern, die auch singen möchten. Und ich wusste, wir würden ein neues Ritual haben, wenigstens für ein paar Tage.

Und es ist ein bisschen überwältigend, was da gerade passiert. 64 Lieder (Stand: 09. Mai, 01:34 Uhr) sind bis jetzt zusammen gekommen. Hörten wir jeden Abend nur eines, kämen wir damit, ausgehend vom 4. Mai, bis zum 07. Juli. Und jetzt machen wir auch nicht eher halt, bis wir nicht mindestens eines jür jeden Abend, eines jeden Tages, eines ganzen Jahres zusammen haben. Seit ich eure Beiträge hörte, hatte ich mehr als einmal den Wunsch, mein Lied einfach noch einmal zu singen. Ich hätte mehr Mut und Kraft. Aber dann wäre es nicht mehr das, was es war: Ein Anfang.

Eure Lieder strahlen für mich soviel Zärtlichkeit und Wärme aus. Und sie verbinden uns. Und die Verbindungen sind das ist das Beste, was man haben kann auf Twitter.

Wie das alles war, damals in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai, könnt ihr auch bei @harveypuca lesen. (Eigentlich MÜSST ihr sogar.)

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5 Gedanken zu „Wie ich einmal bei Twitter ein plattdeutsches Volkslied für meine Nachttimeline sang

  1. Ohje, und jetzt kommt der erste Kommentar auch noch von einer, die in den Tag gehört, weil sie spätestens um 11 schläft (und wenn nicht, etwas verwundert darüber ist). Aber du hast das so schön geschrieben, dass ich dir das jetzt einfach sagen musste. Ich glaube, die meisten Anfänge sind so, manchmal bemerkt man sie gar nicht. Und eigentlich ist grade das, ja auch das Schöne und das Ermutigende an dieser Geschichte. Und wenn das nicht der entgültige Beweis ist, dass sich im Internet nicht nur Gauner und Ganoven herumtreiben, dann weiß ich auch nicht mehr…

  2. @MsPittili: Hurra, der erste Kommentar! Ich danke dir sehr! Und es ist ja egal, ob Tag oder Nacht. Manchmal ist es einfach ein klitzekleines Wunder, dieses Twitter!

  3. Also erstmal Glückwunsch zu Deinem 1.Blogeintrag ;)Auch ich habe in jener Nacht Deinem Lied lauschen dürfen und fand Deinen Gesangsvortrag Klasse! Vielleicht auch gerade weil es so leise und mit Seele eingesungen war!?! Jedenfalls muss ich gestehen, das ich es mir fast jeden Abend anhöre, wenn ich des nächtens auf der Terasse schlaflos Sitze und twitter lausche. So als kleine Idee mit auf den Weg, wäre ich für eine nighttimelineCD mit den Twitterallstars zum Download. Maybe evtl. Ist Twitter dann auch in den Deutschen Charts zu finden ;)Liebe Grüße

  4. @for_takeaway Herzlichen Dank für deinen Kommentar. Diese Idee mit der CD treibt offensichtlich viele um, und wir behalten sie auch im Hinterkopf. Wir möchten einfach noch ein paar Momente dieses Mem genießen, dass uns und vielen anderen so viel Freude macht.

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